Juden im Vereinswesen am Beispiel von Mainbernheim

Die Anfänge jüdischen Lebens in Mainbernheim gehen bis ins späte Mittelalter zurück. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts prosperierte die neuzeitliche Gemeinde, die Ende des 17. Jahrhunderts entstanden war. 1837 gab es 140 jüdische Personen in Mainbernheim. Das entsprach 8,6 % der Einwohnerschaft.

Zu dieser Zeit siedelte sich Louis Liebenstein (geb. 1843 in Hüttenheim) in Mainbernheim an und gründete 1865 eine Weingroßhandlung. Er heiratete 1869 Therese Stahl aus Sommerhausen. Zwei Söhne, Justin (geb. 1878) und Leon (geb. 1881), führten die Weinhandlung weiter.

Die Familie muss sehr gut integriert und geachtet gewesen sein, denn Vater und Söhne waren Mitglieder der „Königlich privilegierten Schützengesellschaft Mainbernheim“.

In der Schützenscheibensammlung haben sich zwei Scheiben erhalten, die von Justin bzw. von Leon Liebenstein gestiftet wurden. Beide Scheiben stammen aus dem Jahr 1910. Die von Justin Liebenstein gegebene Scheibe zeigt in der Mitte sein Portrait, links oben sein Geschäftshaus, links unten das „Obere Tor“, rechts unten das „Untere Tor“.

Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gestaltete sich das Zusammenleben von jüdisch und christlich geprägten Menschen in der kleinen Stadt, sofern die Regeln eingehalten wurden, ziemlich problemlos. Jüdische Personen traten Vereinen bei, beispielsweise der Schützengesellschaft oder der Feuerwehr, nicht zuletzt um diese Position für den Ausbau eigener Netzwerke und die Festigung ihrer gesellschaftlichen Stellung zu nutzen. Jüdische Herkunft und Religion spielten innerhalb des Vereinslebens keine Rolle.

Das änderte sich abrupt, als die Nationalsozialisten ab 1933 mit Ausgrenzungen und Demütigungen gegen jüdische Personen vorgingen. Eine weitere Schützenscheibe in der Sammlung zeigt die Portraits von 6 verstorbenen Schützenbrüdern. Bei einem Portrait wurde der Name unkenntlich gemacht – es handelt sich um den jüdischen Weinhändler Louis Liebenstein, gest.1908.

Ab 1938 mussten alle Jüdinnen und Juden im Deutschen Reich den zusätzlichen jüdischen Zwangsnamen „Sara“ bzw. „Israel“ annehmen. Die nationalsozialistischen Behörden hatten mit der Kennzeichnung von Jüdinnen und Juden begonnen, die auch eine „Kennkarte“ mit sich führen mussten.

Auch die beiden Brüder Justin und Leon Liebenstein mussten diese Zwangsnamen führen. Ihre Kennkarten sind von der Mainzer Behörde ausgestellt, dorthin waren sie inzwischen umgezogen.

Autoren

Peter Kraus und Gerlinde Wagner